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im Archiv & Museum der Stadt Grafing!

Sonderausstellung

WACHSSTÖCKL – Vom Nutzgegenstand zum Geschenkartikel
Schätze aus der Sammlung Leonhard Dierl

25. Oktober 2020 bis 14. Februar 2021

Fotoausstellung "Wasser"

Wachsstöcke / Wachsstöckl stellen eine heute kaum noch gebräuchliche, sehr dünne Variante der Kerze dar, die als in unterschiedlichen Formen zusammengewickelte Langware seit dem 16. Jahrhundert im Handel waren und ganz ohne Halter oder aber auch auf speziellen Haltern benutzt werden konnten. Da sie aufgrund des recht unausgewogenen Docht-Wachs-Verhältnisses leicht rußten, war es sinnvoll, immer eine Dochtschere zur Hand zu haben. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Begriff „Wachsstock“ generell als Synonym für Kerze gebraucht. Auf lateinisch heißt der Wachsstock „cereostata“, woraus sich der heute übliche Begriff „Kerze“ gebildet hat.

Vor allem im katholisch geprägten süddeutschen und österreichischen Raum gab es früher den Brauch, zu Mariä Lichtmess (2. Februar) der Braut, den Töchtern und den weiblichen Dienstboten Wachsstöcke zu schenken. Diese Lichtmess-Wachsstöcke wurden, da es damals noch kein elektrisches Licht gab, in der dunklen Jahreszeit zur Morgen- und Abendandacht in die Kirche mitgenommen und dort angezündet, um im Gesangbuch lesen zu können.

Nachdem die Wachsstöcke im 19. / 20. Jahrhundert ihre Bedeutung als Beleuchtungsmittel eingebüßt hatten, wandelten sie sich vom praktischen Nutzgegenstand zum wertvollen, aufwändig geformten und reich verzierten Geschenkartikel, der sich als Wallfahrtsmitbringsel, als Liebesgabe, als Tauf-, Erstkommunion-, Firmungs- und Hochzeitserinnerungsstück großer Beliebtheit erfreute und in hohen Ehren gehalten wurde.

Wenn sich der Brauch des Wachsstock-Schenkens auch in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr verloren hat, so gibt es in so manchen Wallfahrtsorten doch gleichwohl noch heute ein reichhaltiges Angebot solcher schnurförmigen Kerzen als kunstvoll ausgestaltete Devotionalien, zum Beispiel mit einem aus Wachs modellierten und bemalten Porträt der / des örtlichen Heiligen verziert.

Der Grafinger Leonhard Dierl hat vor Jahrzehnten damit begonnen, Wachsstöcke aus den unterschiedlichsten Zeiten und in den verschiedensten Gestaltungen zu sammeln, sorgsam zu verwahren und so für die Nachwelt zu erhalten. Seine Passion brachte es mit sich, dass seine Sammlung im Laufe der Zeit auf über 1.500 Objekte anwuchs. Etwa die Hälfte seiner Schätze präsentiert er nun hier in der aktuellen Sonderausstellung.

Danksagung
Archiv und Museum der Stadt Grafing danken Leonhard Dierl für seine Bereitschaft, auf Nachfrage die neue Sonderausstellung im Museum der Stadt Grafing aus seiner umfangreichen Wachsstock-Sammlung heraus zu gestalten.Eröffnung am Sonntag, den 25. Oktober 2020 um 13.00 Uhr im Hof des Museums der Stadt Grafing.

Reguläre Öffnungszeiten
So. 14–16 Uhr, Do. 18–20 Uhr

Führungen durch die Ausstellung
für Besuchergruppen und Schulklassen
nach Anmeldung